Worum geht es in im neurodivergenten Kriminalroman „Mord im Spektrum“?
In „Mord im Spektrum“ hat die Hauptfigur Tony erst als Erwachsene ihre Autismus-Diagnose erhalten und geht seit dem zu einem wöchentlichen Gesprächskreis. Als der Leiter der Gruppe nach dem Treffen tot aufgefunden wird, stehen zunächst alle unter Verdacht, die an dem Abend im Gebäude waren. Warum wurde Sam am Tatort gesehen? Von wem stammen die blutigen Fußspuren? Und wer hatte ein Motiv? Tony beschließt, Ordnung in das Chaos aus offenen Fragen zu bringen, und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln.
Warum geht es um Autismus?
Autistische Hauptfiguren werden häufig als „anders“ und „sonderbar“ dargstellt, außerdem gibt es viel zu wenig Repräsentation von weiblichen (und nicht-binären) Autist*innen. Das Buch soll nahebringen, wie sich die Gedankenwelt von autistischen Erwachsenen anfühlen kann – nicht von außen betrachtet, sondern im direkten Erleben der Hauptfigur. Da auch viele andere Figuren neurodivergent sind, sind die autistischen Eigenschaften kein Alleinstellungsmerkmal, dass Tony von anderen abgrenzt – es ist vielmehr die „Normalität“ innerhalb der kleinen neurodivergenten Community, die sich gegenseitig versteht und unterstützt.
Warum ein Krimi ohne Gewalt und explizite Darstellungen?
Mich faszinieren bei Krimis vor allem die kleinen Details, die Rätsel und die Figuren. Grausige Beschreibungen von Verletzunge und Leid oder durchgehenden Nervenkitzel und Action wird man bei „Mord im Spektrum“ daher NICHT finden. Das Buch soll nicht schocken, sondern ein gutes Gefühl geben, ohne nur „cozy“ zu sein. Die Gedanken- und Gefühlswelt der autistischen Hauptfiguren steht im Vordergrund und Tony und Sam beweisen, dass man auch ohne wilde Verfolgungsjagden und blutige Autopsien Fälle lösen kann.
Was hat „Mord im Spektrum“ mit Hörspielen zu tun?
Die Hauptfigur Tony lieb Hörspiele – genau wie die Autorin. Autistische Menschen haben oft ein „Spezialinteresse“, eine große Leidenschaft, die oft über Jahre, manchmal auch das ganze Leben anhält. Tony Spezialinteresse sind Jugendhörspiele, insbesondere die Drei Fragezeichen. Sie hört nicht nur die Fälle, sondern auch Podcasts, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Schon als Kind hat sie sich Visitenkarten gebastet und hätte gerne einen Detektiv-Club gegründet. Doch da fehlte es sowohl an passenden Freund*innen als auch echten Fällen. Durch ihr Wissen aus Krimis fühlt sie sich gut (genug) qualifiziert, um selber Ermittlungen zu starten. Doch so einfach wie in den Geschichten ist es leider nicht – insbesondere wenn man keine direkten Kontakte zur Polizei oder Hacker-Fähigkeiten hat.
Warum spielt der neurodivergente Kriminalroman in Hamburg?
Macht es einen Unterschied, WO eine Geschichte spielt? Ich denke, es beeinflusst die Handlung und die Figuren, ob eine Geschichte in einer Kleinstadt oder eine Großstadt spielt. Ich habe selbst viele Jahre in Hamburg gewohnt habe und arbeite immer noch in Hamburg. Da ich diese Stadt liebe und kenne, spielt „Mord im Spektrum“ in Hamburg und nicht in Berlin oder einer bayrischen Kleinstadt.
